Erwiderung an Christoph Schreiner anlässlich seines Artikels in der SZ vom 4. Juni 2016

Nicholas Williams

Selbstverständlich freue ich mich über Reaktionen, auch kritischer Art, zu meinem Artikel in den aktuellen Saarbrücker Heften. Scholdt veröffentlicht auf seiner Homepage (in Scholdts Kreisen sagt man wohl „Weltnetzseite“) seitenweise Polemiken gegen mich. Sei’s drum, ich habe keine Zeit, das zu lesen, geschweige denn zu erwidern, denn nach kurzem Anlesen zeigte sich: Es ist die übliche, beleidigte Polemik Scholdts, die keine Debatte voranbringt. Die von Christoph Schreiner in der SZ geäußerte Kritik lässt jedoch Sorgfalt vermissen und wirkt dadurch verzerrend, weshalb ich kurz darauf eingehen möchte.

 

Zum einen, und das betraf ebenso die Berichterstattung der SZ nach der Veranstaltung der „Hefte“ im Literaturarchiv letzten Sommer, wird nur die Sichtweise der Kritiker meines Artikels wiedergegeben, der – anders, als Schreiner schreibt – auch nicht erst kürzlich erschien, sondern in kürzerer Fassung bereits seit einem Jahr im Blog der Saarbrücker Hefte zu lesen ist. Was ich an beiden Artikeln in der SZ jedoch vermisse, sowohl dem kürzlich veröffentlichten wie dem letztes Jahr nach der Veranstaltung im Literaturarchiv, ist Ausgewogenheit. Beide Male musste der Eindruck entstehen, das Publikum hätte geschlossen auf der Seite von Scholdt – der persönlich nicht anwesend war, sondern andere vorgeschickt hatte – gestanden. Wer dort war, weiß, dass dem nicht der Fall war.

 

Zum anderen geht Schreiner überhaupt nicht auf meinen Artikel ein, sondern sagt lediglich, dass ich keine stichfesten Zitate liefere. Das mögen ja manche so sehen, aber dann müsste man das begründen, indem man darauf eingeht. Anstatt sich jedoch mit den von mir verwendeten Zitaten aus Scholdts Büchern auseinanderzusetzen, greift Schreiner ein ganz anderes heraus, das mit meiner Analyse nichts zu tun hat. Ohne Scholdt mit dem umstrittenen Philosophen Heidegger auf eine Stufe heben zu wollen, aber das wäre so, als ob jemand zu Heideggers Entlastung ein vollkommen unverfängliches Zitat aus dessen Schwarzen Heften herausgriffe, anstatt sich den problematischen Passagen zu widmen, in denen Heidegger einer „jüdischen Rasse“ negative Eigenschaften zuschreibt. Das Zitat, das Schreiner indes aus den ersten Zeilen von Scholdts Vergesst Broder verwendet, ist in dieser Form in der Tat unproblematisch, aber es hat eben auch nichts mit den Argumenten zu tun, die ich anführe.

 

Scholdt ist nicht Heidegger, sehr wohl aber schreibt er Juden, und zwar in mehr als einem Buch, in stereotypisierender Form Eigenschaften zu, die zur Klaviatur antisemitischer Vorurteile gehören. So hat der Antisemitismus für Scholdt einen „rationalen Kern“, er schreibt auf S. 40 seines Büchleins gegen Broder: „Gerade aus jüdischem Eigeninteresse scheint mir die Frage relevant, was denn bestimmte Sozialtypen dieser Volksgruppe offenbar länderübergreifend zu identifizierbaren Reizfiguren hat werden lassen.“ Ganz der deutsche Oberlehrer sinniert Scholdt darüber, was es denn an den Juden sei, dass sie gehasst würden – sie seien also selbst schuld am Antisemitismus, eine schon nahezu klassisch antisemitische Denkfigur. Schreiner verschweigt somit nicht nur die Zitate, die ich verwende, sondern auch meine Argumente. Von der SZ hätte ich mir eine etwas ernster zu nehmende Kritik gewünscht. Ich kann nur vermuten, dass dies von oberflächlicher Lektüre herrührt, ein Fall mangelnder Sorgfalt, der darüber hinaus erklärt, warum der Autor auch meinen Namen falsch schreibt.